Kalifornien-Rundreise XXL: San Francisco und die Küste

5 Tage San Francisco und ein Ausflug zum Highway 1…

Die leider verfrühte Abreise aus Gloveland nach San Francisco war nicht mehr ganz so schlimm, als mein Bruder und ich gegen Mittag unser Ziel erreichten und wir nur wenig später zum Hafenviertel Fisherman’s Wharf schlenderten. Schon nach kurzer Zeit machte sich der ganz eigene Charme von San Francisco mit seinen steilen Straßen, den schönen Wohnhäusern, die Sicht über die Stadt, von dem ein oder anderen Aussichtspunkt, und der fantastischen Lage in einer Bucht am pazifischen Ozean bemerkbar.

Die belebte Hafengegend rund um den Pier 39, mit Blick auf Alcatraz, den zahlreichen Läden und Restaurants und den vielen Straßenkünstlern, die tanzen, singen oder malen,  ist für ein erstes Rendezvous mit der Stadt, definitiv die richtige Location.

Den wunderschönen Sonnenuntergang genossen wir dann, an einem kleinen Strandabschnitt sitzend und auf die Golden Gate Bridge schauend, während im Wasser noch Schwimmer in Neoprenanzügen eifrig ihre Bahnen zogen. Dafür, dass dieser zusätzliche Tag in San Francisco gar nicht vorgesehen war und wir noch immer etwas wehmütig unserem verlorenen Tag im Yosemite-Nationalpark nachtrauerten, war es ein mehr als gelungener.

Ab zum Baker Beach

Der Wetterbericht kündigte für unseren zweiten Tag in San Francisco strahlenden Sonnenschein und für die Stadt ungewohnt hohe Temperaturen an, sodass wir uns kurzerhand dazu entschieden, den Tag am Baker Beach mit toller Aussicht auf die Golden Gate Bridge zu verbringen. Und was soll ich sagen, die Entscheidung war GOLDrichtig.

Als wohltemperiertes Badewasser lassen sich die wilden Wellen des Pazifiks zwar nicht bezeichnen, durch die Außentemperaturen war eine kurze Abkühlung aber genau das Richtige. Auch bei nicht ganz so gutem Wetter, kann ich zumindest einen Spaziergang am Baker Beach mit Blick auf einer der bekanntesten Brücken der Welt nur empfehlen.

Nach stundenlangem Faulenzen am Strand entschieden wir uns dafür, noch zum Palast der Künste, der in dem Militärstützpunkt und Park The Presidio steht, zu fahren. Ein wirklich schöner Platz, der zu einem gemütlichen Picknick, mit Blick auf den angelegten Teich in dem kleine Schildkröten schwimmen, verführt. Von dort aus liefen wir erneut Richtung Hafen und waren sogar wieder rechtzeitig zum Sonnenuntergang dort.

Eine Fahrradtour nach Sausalitos ist lustig…

…wenn auch nicht unbedingt auf steilen Straßen, über 40 Grad in der prallen Sonne und einem erheblichen Mangel an Schatten. Aber lieber von Beginn an: Allein das Mieten eines Fahrrads in San Francisco ist ein Erlebnis. Massenabfertigung und Räder die dem Namen Drahtesel alle Ehre machen sind hier Programm.

Je näher der Verleih am Hafen liegt, umso teurer wird das Rad für einen Tag. Nachdem wir uns vor Ort und ohne Reservierung angemeldet hatten, bekamen wir ein kleines Einweisungsvideo vorgespielt, bei dem ich ein Schmunzeln nicht unterdrücken konnte und einen Helm und ein Fahrrad vom Fachmann zugeteilt. Nach einer kurzen Probefahrt (drei Meter geradeaus von einem freundlichen Helfer zum nächsten), wurden uns die letzten Tipps für unsere geplante Route gegeben und eine gute Fahrt gewünscht.

Als gut oder gar angenehm möchte ich diese nicht bezeichenen, dafür war es einfach viel zu heiß. Als lohnenswert, unterhaltsam und genau die richtige Aktivität für einen Tag in San Francisco aber unbedingt. Unser Route führte uns vom Hafen, in der Nähe der Fisherman’s Wharf an der Strandpromenade geradewegs (obwohl „gerade“ hier nicht der richtige Ausdruck ist) auf die Golden Gade Bridge zu. Über die Brücke strampelnd und die Aussicht genießend, fuhren wir auf die andere Seite der Bucht, San Francisco im Rücken. Weiter ging es dann, immer den Schildern folgend, nach Sausalitos, einer possierlichen Stadt mit zahlreichen, kleinen oder größeren Läden und Restaurants.

Vielleicht erwähnte ich bereits, dass es heiß war? Das mittlerweile aber eine regelrechte Hitzewelle über uns hinwegzog, muss ich noch einmal betonen, da sich nur so erklären lässt, warum wir vier Stunden (und das ist nicht übertrieben) am Wasser im Schatten lagen und vor uns hin dösten. An einen gemütlichen Bummel durch die Gassen der niedlichen Stadt, war schlichtweg nicht zu denken.

Als die Sonne dann langsam Richtung Feierabend verschwand und der Magen gefüllt war, fuhren wir zurück  zur anderen Seite der Bucht.

Bei der Rückgabe der Fahrräder hieß uns die Crew von Blazing Saddles mit lautem Applaus willkommen, die uns dann in guter Manier, à la Hollister-Kultur, zu vermitteln versuchten, was wir doch großartiges geleistet hatten. War ja nett gemeint, wirklich…

Und weil weltklasse Ausdauersportler wie wir (ha ha) sich ein großes Stück Pizza mehr als verdient haben, nahmen wir dieses auf die Hand mit zum Hafen und setzten uns ein weiteres mal in den Sand (wohin auch sonst). So müde wie an diesem Abend, bin ich schon lange nicht mehr gewesen.

Fisherman’s Wharf, Pier 39 und die Robben

Da auch der nächste Morgen nicht wirklich Abkühlung brachte, war der Baker Beach erneut unser erstes Ziel. Sogar der Pazifik fühlte sich wärmer an als noch zwei Tage zuvor. Für den Nachmittag entschlossen wir uns dann Fisherman’s Wharf und den Pier 39, inklusive seiner berühmten Bewohner, mehrere hunderte Seelöwen, genauer anzuschauen.

Der Pier 39 ist zweistöckig und lädt zum Essen, Trinken, Shoppen und Verweilen ein und bietet dabei gleich  an mehreren Punkten eine tolle Aussicht auf San Francisco.

Zugegeben, der Geruch am Pier ist je näher man den Seelöwen kommt, nicht unbedingt mit Rosenwasser zu vergleichen. Ein Blick auf die schlafenden, badenden, winkenden und rülpsenden Tiere zu werfen lohnt sich dafür aber umso mehr. Ist der Platz am Geländer zwischen den anderen vielen Zuschauern erst einmal erkämpft, lässt sich der Blick nur schwer wieder abwenden.

Dieses ungewöhnliche Bild ist wirklich ein Highlight und macht den Hafen von San Francisco zu etwas ganz besonderem.

 
Union Square und Chinatown

Für den nächsten und letzen Tag hatten wir uns die Erkundung des Stadtkerns von San Francisco vorgenommen. Zuerst liefen wir zum Union Square, der in der Nähe unserer Unterkunft lag. Nach einer kleinen Shopping-Tour durch die Läden der Einkaufsstraßen, rund um den Union Square, liefen wir weiter nach China Town.

Viele Vergleiche habe ich zwar nicht (London könnte ich nennen), der chinesische Stadtteil von San Francisco wirkt aber sehr authentisch und bunt und ist zumindest eine kurze Besichtigung wert.

Den Nachmittag verbrachten wir in einem kleinen Park zwischen grillenden, lesenden oder im Gras schlafenden Einheimischen. Gegend Abend liefen wir hungrig (wie könnte es anders sein) Richtung Hafen. Ich entschied mich für eine Tomatensuppe, serviert in Sauerteig, in der Bäckerei Boudin Bakery & Cafe. Die aus Brot gebackenen Teddybären und Krokodile im Schaufenster, hatten mich neugierig gemacht.

Wenn ihr es einrichten könnt und ein Essen solcher Art euren Geschmack trifft, lasst euch die gute und preiswerte Suppe nicht entgehen. Ansonsten gibt es auch noch zahlreiche andere Gerichte auf der Speisekarte des Cafés.  Ein Rundgang durch das kostenlose Museum der Bäckerei mit Blick auf die Bäcker in Aktion, vor oder nach dem Essen, lohnt sich auf alle Fälle.

Ein paar letzte Worte zu San Francisco

Auch nach fünf Tagen in San Francisco, kann ich die Liedzeile „Ging nie durch San Fransisco in zerissenen Jeans“ immer noch guten Gewissens singen, denn selbst für lange Hosen mit Löchern war es zu heiß während unseres Aufenthaltes in der Stadt. Darüber möchte ich mich aber gar nicht beschweren, denn eigentlich erwarteten wir 20 Grad und hofften auf Sonnenschein.

San Francisco ist eine schöne Stadt mit vielen Ecken zum träumen und verweilen. Ein Tag am Strand, eine Fahrradtour nach Sausalitos, Shoppen am Union Square oder Spaziergänge und Essen gehen rund um Fisherman’s Wharf. Die Stadt bietet zahlreiche und unterschiedliche Möglichkeiten für einen entspannten, aufregenden oder sportlichen Aufenthalt. Vergleiche ich Los Angeles, Las Vegas und San Francisco mit einander, so ist letzteres, definitiv mein Favorit. Auch wenn die steilen Straßen zum Laufen und Fahren gewöhnungsbedürftig sind, sind sie doch etwas ganz besonderes.

Und trotzdem ist längst nicht alles nur positiv. Die Armut und Obdachlosigkeit in der Stadt ist noch präsenter als in Los Angeles. Verletzte und hungernde Menschen, die auf den Straßen liegen oder sich auf eben jenen eine Unterkunft gebaut haben, gehören hier leider zum Stadtbild dazu.

Unser Hostel befand sich in einer Gegend, gar nicht weit vom Stadtkern entfernt, in der man Nachts lieber nicht zu Fuß herumlaufen, das Auto nicht vor der Tür abstellen und niemanden den Code für die schwere Eingangstür geben sollte. Bedroht oder unwohl haben wir uns nicht gefühlt, nur wachsam waren wir. Es ist aber unmöglich sich diese traurigen Eindrücke nicht zu Herzen und nicht mit nach Hause zu nehmen.

Carmel by the Sea und  ein Stück vom Highway 1

Da der Highway 1 seit Anfang des Jahres auf Grund von Erdrutschen an einigen Stellen gesperrt ist und somit eine durchgehende Fahrt von San Francisco nach Los Angeles an der Küste entlang, keine Option mehr darstellte, suchten wir uns eine Route raus, die uns ermöglichte trotzdem ein gutes Stück auf dem Highway zu fahren. Und so viel sei schon einmal vorweg gesagt: Dieser „Umweg“ war die lange Rückreise nach Los Angeles wert.

So fuhren wir zunächst von San Francisco in das circa zwei Stunden entfernte Monterey, genauer gesagt in die Kleinstadt Carmel by the Sea. Der bei Schriftstellern beliebte Ort direkt am Pazifik ist ein Traum. Der Sand ist weiß, das Meer türkis und der Himmel an den meisten Tagen im Jahr blau. Wer hier einmal im Sand sitzend das Meer betrachtet, der versteht warum es sich dort gut Schreiben lässt.

Auch wenn es schwer viel den wunderschönen Carmel Beach hinter sich zu lassen, machten wir uns anschließen auf den Weg zum Highway, indem wir einfach nur einer Straße folgten, die uns durch die kleine Stadt direkt auf diesen führte. Vor uns lagen nun 50 km befahrbare Küstenstraße und eine Natur die einem wirklich die Tränen in die Augen treibt. Wo es nur ging hielten wir an, staunten, fotografierten und erfreuten uns an der schönen Aussicht.

Am Big Sur machten wir kehrt, da wir ihn aufgrund der Sperrungen eh hätten umfahren müssen und genossen den Ausblick auch auf der Rückfahrt noch einmal. Die Fahrt nach Los Angeles, die dann noch gute 7 Stunden dauerte, nahmen wir dafür gerne in Kauf.

5 Tipps für einen entspannten Aufenthalt in San Francisco und einen Ausflug zum Highway 1
  1. Fahrrad mieten leicht gemacht: Schon wenn man Richtung Hafen geht, kommt man an vielen Verleihen vorbei. Je näher das Wasser rückt, desto teurer wird der Drahtesel. Gelandet sind wir bei Blazing Saddles. Der Andrang war so groß als gäbe es die Räder umsonst, das Gefühl so als sei man ein Produkt auf dem Fließband, das zur Verpackung bereitsteht. Nichtsdestotrotz war alles sehr gut organisiert und ging extrem schnell. Die Fahrräder waren zwar nicht die bequemsten (aber das liegt auch an meiner Größe), dafür war das Personal wirklich ausgesprochen nett. Kleiner Tipp noch: Wir sollten mehr bezahlen als bei dem Verleih, den wir uns am Tag zuvor angesehen hatten. Mit dem Hinweis, dass wir dann lieber bei der Konkurrenz ein Rad mieten wollen, wurde uns der gleiche Preis von 30€ pro Tag angeboten. Also einfach ein wenig pokern.
  2. Das Auto lieber stehen lassen oder noch besser, gar kein Auto: Verwöhnt durch die guten Parkmöglichkeiten vor unseren Unterkünften in Los Angeles und Las Vegas und den noch humanen Preisen auf öffentlichen Parkplätzen in L.A., machten wir uns über das Parken in San Francisco keine großen Gedanken. Ein kleiner Fehler. Unser Auto mussten wir während unseres Aufenthaltes für 20€ am Tag in Parkhäusern abstellen (das günstigste Angebot das wir fanden). Das Auto am Straßenrand für längere Zeit abzustellen (hat man überhaupt erstmal einen Platz gefunden), ist nämlich nicht möglich. Da San Francisco zu Fuß gut zu erkunden ist und ansonsten auch die Straßenbahn ein gutes Fortbewegungsmittel darstellt, ist ein Auto nicht notwendig. Für fünf Tage hätte sich die Abgabe des Wagens und die erneute Anmietung definitiv gerechnet.
  3. Die Wahl der Unterkunft: Zugegeben die Bewertungen, was die Gegend unseres Hostels angingen, waren teilweise etwas beunruhigend. Wir versuchten diesen aber nicht zuviel Aufmerksamkeit zu schenken, da der Preis für das teure San Francisco absolut fair war (ca. 300€ für sechs Nächte). Es wäre gelogen zu sagen, dass die Gegend (South Market) kein hartes Pflaster aber weit weniger bedrohlich ist, als einige Reviews uns versprachen. Damit will ich sagen, dass die Buchung eines Hostels in einer solchen Umgebung völlig in Ordnung und auch nicht gefährlich ist solange man wachsam ist.
  4. Der Highway 1 lohnt sich: Die Gründe dafür habe ich euch ja schon genannt bzw. gezeigt. Von den Sperrungen sollte man sich aber definitiv nicht davon abhalten lassen, wenigstens Stücke der Küstenstraße zu erkunden. Und sollte der Highway demnächst wieder ganz freigegeben werden, ist die Fahrt von San Francisco nach L.A. über diesen, auf jeden Fall der beste, auch wenn er länger dauert als der Weg durchs Landesinnere.
  5. Und dann lieber noch eine Übernachtung: Wenn es in den Reiseplan passt, lieber auf der Fahrt von San Francisco nach L.A. einen Zwischenstopp, z.B. auf der Hälfte der Strecke einplanen. Gerade bei nur einem Fahrer definitiv entspannter.

Mein Fazit einer aufregenden Reise

Ich liebe Roadtrips und diese Liebe ist nach unserer abwechslungs- und kontrastreichen Reise definitiv gefestigt. Los Angeles, Las Vegas und San Francisco sind Dauerbrenner mit Recht. Es gibt so viel zu sehen, zu erleben, zu erfahren und zu fotografieren. Die vielen unterschiedlichen Eindrücke zu verarbeiten war da gar nicht so einfach. Froh darüber, dass wir uns diese Ziele auf unserer Rundreise ausgesucht haben, bin ich auf jeden Fall.

Meiner Meinung nach entsteht aber gerade in Zeiten der Blogger und Influencer leider ein viel zu verzerrtes Bild dieser Städte, denn nüchtern betrachtet ist Los Angeles keine schöne Stadt, Las Vegas ein mittelmäßiges Kunstprojekt und San Francisco ein ziemlich hartes Pflaster. Genug Stoff für unglaublich schöne Urlaubserinnerungen bieten sie aber allemal.

Wie ihr bei meinen Beitrag über den Yosemite-Nationalpark bereits gelesen habt, geht mir in der Natur das Herz auf. Ähnliche Gefühle hatte ich auch bei der Fahrt auf dem Highway 1. Wenn ich also noch einmal nach Amerika fliege, dann mit Zelt und Wanderschuhen für ein Outdoor-Abenteuer bewaffnet.

Ihr habt eine ähnliche Rundreise auf eurer Wunschliste? Dann bleibt mir nur zu sagen: Nichts wie los!

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